Sie stricken nicht mehr nur Socken, sie stricken Haltung. Omas gegen Rechts marschieren durch Innenstädte, die Faust erhoben, das Banner geschniegelt, der Moralzeigefinger geschniegelt-erhobener als jede SPD-Programmschrift. Omas gegen Rechts – das klingt nach Kamillentee und Gewissen. In Wirklichkeit ist es politischer Aktivismus, geschniegelt im Wollschal, geschniegelt im Pathos, geschniegelt im Einverständnis.
Natürlich sind sie überparteilich. Sagen sie. So überparteilich wie ein SPD-Parteitag am 1. Mai. Denn merkwürdig: Wenn irgendwo gegen „Rechts“ demonstriert wird, sind die Omas da. Wenn linke Gewalt brennt, religiöser Fanatismus droht oder Antisemitismus unter dem falschen Etikett läuft – dann wird es still im Strickkreis. Das nennt man Selektivität. In der Politik nennt man das: Linie halten.
Die Nähe zur Sozialdemokratische Partei Deutschlands ist kein Zufall, sondern Komfortzone. Gleiche Parolen, gleiche Bühnen, gleiche Applausmaschinen. Wer alt ist, darf alles sagen – vor allem, wenn es das Richtige trifft. Wer „Oma“ ist, hat moralische Immunität. Ein genialer Schachzug: Kritik wird zur Respektlosigkeit erklärt, Widerspruch zur Menschenfeindlichkeit. So funktioniert Meinungsmacht ohne Mandat.
Dabei geht es längst nicht mehr um den Schutz der Demokratie, sondern um ihre Einengung. Wer nicht mitsingt, steht „rechts“. Wer Fragen stellt, gilt als Vorfeld. Die Omas liefern das warme, weiche Gesicht einer harten politischen Botschaft: Wir sind die Guten, der Rest soll schweigen. Demokratie als Bastelarbeit – nur mit den richtigen Farben.
Das Problem ist nicht das Alter. Das Problem ist die Attitüde. Politische Agitation im Gewand der Unschuld. Ein moralischer Türsteherdienst, der entscheidet, wer dazugehört. Und während die Omas marschieren, nicken Medien, klatschen Parteien und atmet die Komplexität aus dem Raum.
Omas gegen Rechts sind kein Pflegefall der Zivilgesellschaft – sie sind ihr PR-Büro. Nicht der formale Arm der SPD, gewiss. Aber oft genug ihr wohlmeinender Lautsprecher. Mit Kuchenverkaufsmoral und Demonstrationsroutine. Und genau deshalb so wirksam: Wer will schon gegen Oma argumentieren?
Demokratie aber lebt nicht vom Alter, sondern vom Aushalten. Vom Streit. Vom Zweifel. Auch dann, wenn er nicht gestrickt kommt.
Sein oder nicht sein...
Das ist auch hier die Frage – und nicht nur bei Hamlet.
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Ihr Südpfalzreporter (Der Südpfalzgestalter) André Braselmann
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