Dumm & Dümmer als Programmauftrag – Wenn Tom Kaulitz und Bill Kaulitz zur Projektionsfläche eines neuen „Wetten, dass..?“ werden, dann ist das kein Betriebsunfall. Es ist der Moment, in dem der öffentlich-rechtliche Rundfunk offen zugibt, dass er kapituliert hat. Nicht vor der Quote. Vor sich selbst.
Der Öffentlich-rechtlicher Rundfunk wurde nicht gegründet, um Trends hinterherzulaufen. Er wurde geschaffen, um ein Gegengewicht zu sein: gegen Verflachung, gegen bloße Unterhaltung, gegen Marktschreierei. Heute allerdings wirkt er wie ein nervöser Rentner, der TikTok entdeckt hat und verzweifelt Anschluss sucht.
Die Kaulitz-Brüder sind dabei nicht Ursache, sondern Werkzeug. Sie liefern genau das, was Intendanten und Programmdirektoren inzwischen für „jung“, „mutig“ und „zeitgemäß“ halten: laute Oberfläche, ironische Distanz zu allem, keinerlei inhaltliche Verantwortung. Moderation wird durch Präsenz ersetzt. Haltung durch Styling. Relevanz durch Reichweite.
Der Vergleich mit Dumm und Dümmer ist deshalb nicht einmal mehr polemisch – er ist sachlich. Der Unterschied: Der Film wusste, dass er Blödsinn ist. Der ÖRR hingegen erklärt den Blödsinn zum Bildungsauftrag und finanziert ihn zwangsweise.
Denn hier liegt der eigentliche Skandal:
Diese Unterhaltung ist nicht freiwillig. Sie wird eingezogen wie eine Steuer. Wer zahlt, darf zuschauen, wie sein Geld dafür verwendet wird, einstmals bedeutende Formate in leere Hüllen zu verwandeln – solange sie nur „diskursfähig“ erscheinen und Social-Media-Lärm erzeugen.
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk behauptet gern, er müsse „alle erreichen“. In Wahrheit hat er beschlossen, niemanden mehr ernst zu nehmen. Nicht die Älteren, denen man Nostalgie vorsetzt, die sofort zerbricht. Und erst recht nicht die Jüngeren, denen man Influencer-Fernsehen als kulturellen Fortschritt verkauft.
Was früher ein gesellschaftliches Versprechen war, ist heute ein selbstreferenzieller Apparat: Er produziert Inhalte, die seine eigene Existenz rechtfertigen sollen – nicht ihren Sinn. Das Resultat ist Staatsfernsehen im Reality-Gewand, geschniegelt, belanglos und erstaunlich hohl.
Man kann das modern nennen. Oder mutig.
Ehrlicher wäre: ideenlos, ängstlich und zynisch.
Der ÖRR hat nicht die Kaulitz-Brüder entdeckt.
Er hat sich selbst aufgegeben – live, zur besten Sendezeit, auf Kosten aller.
Sein oder nicht sein...
Das ist auch hier die Frage – und nicht nur bei Hamlet.
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