Niemand behauptet ernsthaft, das Campact-Magazin sei eine Antifa-Zentrale. Dafür ist es zu geschniegelt, zu bürgerlich, zu korrekt. Und doch stellt sich eine Frage, die man hierzulande nur ungern laut ausspricht: Warum klingen so viele Texte wie das intellektuelle Vorwort zu dem, was später auf der Straße eskaliert?
Das Campact-Magazin gibt sich journalistisch, argumentativ, moralisch aufgeladen. Es erklärt, ordnet ein, benennt Schuldige. Und diese Schuldigen heißen fast immer gleich: „Rechts“, „konservativ“, „liberal-kritisch“, „abweichend“. Differenzierung wird zur Randnotiz, Zweifel zum Makel. Was bleibt, ist ein klares Freund-Feind-Schema – nicht als Parole, sondern als Haltung verkauft.
Genau hier beginnt die gedankliche Schnittstelle zur Antifa. Denn auch dort ist die Welt einfach. Auch dort gilt: Wer nicht für uns ist, ist Teil des Problems. Der Unterschied liegt nicht im Ziel, sondern in der Methode. Campact formuliert empört, die Antifa handelt entschlossen. Worte hier, Aktionen dort.
Man könnte sagen: Campact schreibt die moralischen Leitartikel, während andere sie mit Klebeband, Farbe oder Fäusten umsetzen. Keine Absprachen, keine Mitgliedskarten – aber anschlussfähige Narrative. Wenn ein Magazin permanent suggeriert, bestimmte politische Positionen seien nicht nur falsch, sondern gefährlich, dann braucht es kaum noch Fantasie, bis jemand meint, man müsse diese Gefahr „aktiv bekämpfen“.
Auffällig ist, was fehlt. Kaum Selbstkritik. Kaum Reflexion über den eigenen Ton. Kaum Distanz zu jenen, die aus moralischer Gewissheit heraus Grenzen überschreiten. Gewalt wird offiziell abgelehnt, aber rhetorisch vorbereitet. Wer ständig von „Brandmauern“, „Kampf gegen rechts“ und „keiner Bühne“ spricht, darf sich nicht wundern, wenn andere Bühnen anzünden wollen.
Das ist keine Anklage, sondern eine Beobachtung. Und sie ist unbequem, weil sie den bürgerlichen Aktivismus aus seiner Unschuld holt. Man kann nicht gleichzeitig behaupten, für Demokratie und Debatte zu stehen – und dann systematisch delegitimieren, ausgrenzen, moralisieren. Wo Argumente enden, beginnt Radikalisierung. Erst sprachlich, dann praktisch.
Vielleicht liegt das eigentliche Problem nicht darin, dass Campact Nähe zulässt. Sondern darin, dass es sie nicht sehen will. Denn wer ständig vorgibt, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen, verlernt schnell, sich selbst zu hinterfragen.
Und genau dort – nicht auf der Straße, sondern im Kopf – beginnt jede Radikalisierung.
Das ist auch hier die Frage – und nicht nur bei Hamlet.
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Ihr Südpfalzreporter (Der Südpfalzgestalter) André Braselmann
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