Weniger Straftaten, mehr Gewalt: Die Kriminalitätsstatistik 2025 ist kein Grund zur Selbstzufriedenheit.
Wer nur die Schlagzeile liest, könnte meinen, die Sicherheitslage im nördlichen Landkreis Germersheim habe sich grundlegend verbessert. Die Zahl der registrierten Straftaten ist 2025 um fast 15 Prozent gesunken. Die niedrigste Fallzahl der vergangenen fünf Jahre. Ein Erfolg für die Polizei? Ja. Ein Grund zur Entwarnung? Keineswegs.
Denn die Kriminalitätsstatistik erzählt bei genauerem Hinsehen eine deutlich komplexere Geschichte.
Tatsächlich gingen die Gesamtzahlen spürbar zurück. Diebstähle nahmen deutlich ab, die Jugendkriminalität sank und auch die Zahl der Opfer verringerte sich. Gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote. Das sind Entwicklungen, die man anerkennen muss.
Doch während die Gesamtkriminalität sinkt, wächst ausgerechnet jener Bereich, der das Sicherheitsgefühl der Menschen am stärksten beeinflusst: die Gewaltkriminalität.
Mehr gefährliche Körperverletzungen, mehr Vergewaltigungen, mehr sexuelle Übergriffe. Die Statistik zeigt, dass schwere Gewalttaten nicht automatisch zurückgehen, nur weil die Gesamtzahl der Straftaten sinkt. Für die Betroffenen macht es keinen Unterschied, ob statistisch weniger Fahrräder gestohlen werden, wenn gleichzeitig brutale Angriffe zunehmen.
Besonders auffällig ist dabei ein Widerspruch, der in vielen politischen Debatten gern übersehen wird. Während manche Akteure jede Diskussion über Kriminalitätsursachen reflexartig als „Panikmache“ abtun, zeigen die Zahlen sehr wohl Entwicklungen, die gesellschaftlich diskutiert werden müssen.
So liegt der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger weiterhin bei über 30 Prozent. Gleichzeitig wurden 100 tatverdächtige Zuwanderer registriert. Diese Zahlen allein erklären keine Kriminalität. Sie dürfen aber auch nicht tabuisiert werden. Eine seriöse Debatte beginnt dort, wo Fakten weder dramatisiert noch verschwiegen werden.
Ebenso wenig darf man die positiven Entwicklungen kleinreden. Die Polizeiinspektion Germersheim hat ihre Aufklärungsquote verbessert und die Gesamtkriminalität auf den niedrigsten Stand seit Jahren gedrückt. Das ist eine Leistung, die Anerkennung verdient.
Die eigentliche Lehre aus der Statistik lautet daher nicht, dass alles besser geworden ist. Sie lautet auch nicht, dass alles schlechter wird
Die Lehre lautet: Kriminalität verändert ihr Gesicht.
Weniger Massendelikte bedeuten nicht automatisch mehr Sicherheit. Für viele Bürger ist nicht entscheidend, wie viele Straftaten insgesamt registriert werden. Entscheidend ist, ob sie sich auf dem Heimweg sicher fühlen, ob ihre Kinder unbehelligt unterwegs sein können und ob Gewalt im öffentlichen Raum konsequent bekämpft wird.
Die Statistik 2025 liefert daher keinen Anlass für Alarmismus. Sie liefert aber ebenso wenig Anlass für Selbstzufriedenheit.
Wer die Zahlen ehrlich liest, erkennt: Die Polizei hat Erfolge erzielt. Die Probleme sind deshalb noch lange nicht verschwunden.
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André Braselmann
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