Brandmauer gegen die AfD: Strategie der Altparteien gescheitert?
Seit Jahren beschwören SPD, CDU/CSU und Bündnis 90/Die Grünen eine politische Brandmauer gegen die Alternative für Deutschland (AfD). Gemeint ist der kategorische Ausschluss jeder Zusammenarbeit – parlamentarisch wie politisch. Doch der Anspruch, die Partei so dauerhaft zu isolieren, steht zunehmend im Widerspruch zur Realität: steigende Umfragewerte, Wahlerfolge auf Landes- und Kommunalebene sowie eine Verfestigung der Wählerschaft stellen die Wirksamkeit der Brandmauer infrage.
Abschottung ohne Angebot
Die Strategie der etablierten Parteien zielte lange darauf, die AfD politisch auszugrenzen, während sie zugleich inhaltlich ignoriert oder moralisch delegitimiert wurde. Kritiker sehen darin einen Fehler: Wer Konfliktthemen – Migration, Energiepreise, soziale Sicherheit, innere Sicherheit – nicht überzeugend bearbeite, überlasse den Raum jenen, die einfache Antworten versprechen. Die Brandmauer wirke dann weniger als Schutz, sondern als Ersatz für politische Argumente.
Parlamentarische Praxis unter Druck
Auf kommunaler Ebene zeigt sich, wie brüchig die Abgrenzung wird. In Sachfragen kommt es punktuell zu identischen Abstimmungen, notgedrungen auch zu Mehrheiten unter Einbezug der AfD. Offizielle Kooperationen werden zwar vermieden, doch faktische Überschneidungen lassen die Linie unscharf erscheinen. Das nährt den Vorwurf der Doppelmoral: öffentliche Distanz bei gleichzeitiger stiller Normalisierung.
Moralische Abgrenzung – politische Sackgasse?
Befürworter der Brandmauer verweisen auf verfassungsrechtliche und historische Verantwortung. Gegner entgegnen, moralische Abgrenzung allein ersetze keine Politik. Eine dauerhafte Ausgrenzung ohne überzeugende Problemlösungen könne sogar mobilisieren – nach dem Muster gegen das Establishment. Die Folge: Polarisierung statt Eindämmung.
Vertrauensfrage für die Demokratie
Die Debatte berührt einen Kern demokratischer Legitimation. Wenn relevante Teile der Wählerschaft das Gefühl haben, ihre Themen fänden keinen Widerhall, wächst Politikverdrossenheit. Eine Brandmauer, die nicht von erfolgreicher Regierungsarbeit flankiert wird, droht zur Symbolpolitik zu werden – mit begrenzter Wirkung.
Fazit
Die Brandmauer gegen die AfD ist kein Selbstzweck. Ob sie gescheitert ist, entscheidet sich weniger an Schlagworten als an Ergebnissen: Gelingt es SPD, CDU/#CSU und Grünen, verlorenes Vertrauen durch glaubwürdige Lösungen zurückzugewinnen, bleibt Abgrenzung wirksam. Misslingt das, könnte die Strategie weiter an Überzeugungskraft verlieren – unabhängig davon, wie hoch die Mauer rhetorisch gezogen wird.

